Ayurveda, Zubereitung von Nahrung

Was ist Ayurveda?

Von Ayurveda gehört haben wir alle schon mal, ob im Zusammenhang mit Ernährung, Gesundheit oder gar Massagen. Dieser Begriff gibt vielen Themen einen exotischen, mysteriösen Anstrich. Was genau verbirgt sich eigentlich dahinter?

Wissenschaft vom langen, gesunden Leben

Das Ayurveda ist ein traditionelles indisches medizinisches System, das auch heute noch in Indien, aber auch beispielsweise in Sri Lanka und Nepal praktiziert wird. Seine Wurzeln reichen je nach Quelle und Betrachtungsweise bis 500 v. Chr. oder gar bis zur Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Der Begriff selbst stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Wissen vom Leben oder Lebensweisheit bzw. Lebenswissenschaft.

Stark vereinfacht kann man sagen, dass diese Heillehre einem ganzheitlichen Ansatz folgt, bei dem davon ausgegangen wird, dass das Leben eine Einheit aus Körper, Sinnen, Verstand und Seele darstellt. Zentrale Bestandteile des Ayurvedas als Lebensstil sind einerseits die Ernährungslehre, das Yoga, Pflanzenheilkunde sowie Massagen und Reinigungstechniken und es kann nicht nur Kranken nützen, sondern auch gesunden Menschen dabei helfen, gesund zu bleiben.

Ayurvedische Ernährung

Die Lehre von der optimalen Ernährung spielt im Ayurveda eine wesentliche Rolle und hat einen enormen Einfluss auf das physiologische und psychische Wohlbefinden des Menschen. Dementsprechend gibt es allerhand Hinweise, wie man sich gut und passend ernährt, zum Beispiel:

  • Trinken, nur wenn man Durst hat und nur warmes Wasser oder Kräutertee
  • Nur essen, wenn man Hunger verspürt
  • Sich nicht völlig satt essen, am Besten "zwei Hände voll" zu sich nehmen
  • Nicht zu langsam essen, aber auch nicht schnell, vor allem nie in Eile oder im Stehen
  • Regelmäßig warme Mahlzeiten: am frühen Morgen, zu Mittag (Hauptmahlzeit) und abends (jedoch nicht zu spät)
  • Immer erst dann essen, wenn die letzte Mahlzeit verdaut wurde
  • Schweres, unreifes, sehr saures Essen vermeiden
  • Saisonale, frische Lebensmittel bevorzugen
  • Möglichst bei allen Mahlzeiten die sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen berücksichtigen: süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb
  • Natürliche Bedürfnisse nie unterdrücken, z. B. Stuhlgang, Harnlassen, Blähungen, Aufstoßen, Gähnen und Weinen

Die Reinigung des Körpers

Die innere Balance des Körpers spielt eine große Rolle im Ayurveda. Man wird von einem ayurvedischen Spezialisten mit verschiedenen Verfahren untersucht, sodass dieser anschließend eine Diagnose stellen kann. Basierend auf dieser werden dann entsprechende Therapien angesetzt, die zwar auch eine Ernährungs- und Lebensstilberatung beinhalten können, jedoch weit darüber hinaus gehen. So gibt es Massagen, verschiedene Anwendungen, Maßnahmen aus der Pflanzenheilkunde und auch Yoga. Zudem kann die Reinigung des Körpers auch weniger erfreuliche Therapiemöglichkeiten beinhalten, so etwa das medizinische Erbrechen, das Abführen, wässrige oder ölige Einläufe und Aderlass. Die Therapie wird immer individuell je nach Verfassung, Beschwerden und Lebenssituation festgelegt.

Unterschied zwischen Ayurveda und Yoga

Hinter Ayurveda und Yoga stehen unterschiedliche Traditionen und philosophische Überlegungen. Während die Heilkunst mehr auf das Körperliche abzielt, stellt Yoga das Geistige in den Vordergrund. Beides passt gut zusammen und kann einander ergänzen, weswegen Yoga oftmals Teil von ayurvedischen Therapien ist.

Wo erhält man ayurvedische Behandlungen?

In Indien ist Ayurveda ein medizinischer Studiengang, der viele Jahre studiert wird. Das bedeutet, dass die Praktizierenden anerkannte Ärzte sind. In Europa ist die Lage schwieriger, da wir medizinisch primär nach der westlichen Schulmedizin behandelt werden und Ayurveda dabei wenn, dann eher eine sekundäre, untergeordnete Rolle spielt und es keine vergleichbare und allgemein medizinisch anerkannte Ausbildung gibt. In jedem Fall sollte der persönliche Hausarzt in der Lage sein, eine Empfehlung an einen Kollegen oder einen anerkannten Standort in der Nähe auszusprechen.

Neben Literatur zu unterschiedlichen Aspekten des Ayurveda gibt es natürlich zum Beispiel Ernährungsberater mit einem entsprechenden Fokus. Auch Coaches lassen sich in diesem Bereich finden. Massage- und Yogastudios ebenso. In jedem Fall sollte man sich über die Qualifikation der Mitarbeiter im Vorfeld informieren. Bei Autodidakten und anderen Amateuren sollten die Alarmglocken angehen. Grundsätzlich gibt es im Westen sehr viel Abzocke mit dem "Trendbegriff" Ayurveda, daher bitte immer mehrfach hinterfragen, was im jeweiligen Fall wie gemacht werden soll und was das fachliche Fundament dabei ist.

Es gibt Therapien, Kuren und Erholungsreisen aller Art in Bezug auf das Ayurveda. Hier gilt das Gleiche: was ist das Programm, welche Leistung erhält man und wer leitet das Ganze? Wenn keine sinnvolle Qualifikation erkennbar ist, dann lieber zu etwas anderem greifen.

Wichtige Hinweise

Achtung auch bei Ayurveda-Präparaten und -Medikamenten, vor allem wenn sie nicht in Europa hergestellt wurden. Dann ist es nicht wirklich gewährleistet, dass keine Schafstoffe drin sind und man riskiert unter Umständen z. B. Schwermetallvergiftungen. In Indien ist man sich dessen bewusst und man bemüht sich, internationale Standards einzuhalten, allerdings empfehlen wir grundsätzlich aufgrund von Sprachbarriere und teils mangelnder Transparenz vieler Hersteller von allem ab, was sich nicht nachgewiesenermaßen an europäische Richtlinien hält und keine Inhaltsstoffliste und Anwendungshinweise auf Deutsch enthält.

Zudem ist wichtig zu verstehen, dass in unserem westlichen Verständnis Ayurveda unsere Medizin ergänzen, jedoch nicht ersetzen kann. Chirurgische Eingriffe, Notfallmedizin, die Behandlung akuter Erkrankungen etc. können nur mit unseren schulmedizinischnen Maßnahmen erfolgen. Ayourveda bietet hierfür keine Alternativen.